Kapitalismuskritik

→ zur Seite der Themengruppe

Warum der Kapitalismus kein gutes Leben für alle ermöglichen kann

Seit Marx vor rund 150 Jahren den Kapitalismus analysierte, ist viel Zeit vergangen. Er hat sich auf vielfache Weise verändert, Neues ist hinzugekommen, seine Grundstrukturen sind aber die selben geblieben.

Es besteht immer noch ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen den Interessen des Kapitals und jenen der lohnabhängigen Schichten. Die Lohnabhängigen schaffen mit ihrer Arbeitskraft alle Werte in dieser Gesellschaft. Was sie schaffen gehört aber nicht ihnen, sondern den Kapitalist*innen. Der Lohn, die Renten und Sozialtransfers sind der Teil der geschaffenen Werte, die den Lohnabhängigen zugute kommen. Was sie schaffen ist aber wesentlich mehr wert. Diesen Mehrwert kassieren die Kapitalist*innen als Rendite für ihr eingesetztes Kapital. Die Unternehmen stehen in Konkurrenz zu anderen Unternehmen und müssen, wollen sie nicht in Konkurs gehen oder Marktanteile gegenüber anderen Unternehmen verlieren, so effizient wie möglich produzieren. Für das Kapital sind die arbeitenden nur ein Kostenfaktor, den es so klein wie möglich zu halten gilt. Das passiert unter anderem durch Intensivierung der Arbeit, Lohnkürzungen, Entlassungen, aber auch indirekt durch Steuer- und Abgabenvermeidung und Steuerhinterziehung, was sich sowohl in einer tendenziellen Verschlechterung der öffentlichen Strukturen, als auch in im Absinken der Sozialtransfers niederschlägt.

Dieses System ist totalitär, das heißt, der Gestaltungsspielraum ist gering: Einzelne Unternehmer*nnen können nicht beliebig “großzügiger” sein und bessere Löhne zahlen. Das brächte Nachteile gegenüber der Konkurrenz und sie würden vom Markt verdrängt werden. Scheinbare Ausnahmen, wie zB. Fair Trade Produkte, können nur existieren, weil die Käufer*innen bereit sind, dem einen hohen Stellenwert beizumessen und dafür mehr zu zahlen.

Mit dem Ende des Nachkriegsbooms in den 1970ern geriet die Realwirtschaft ins stocken. Das Kapital wich zunehmend auf die Finanzmärkte aus, weil dort höhere Gewinne zu erzielen waren und sind. Kennzeichnend für die aktuelle Phase des Kapitalismus ist die absolute Dominanz dieses Finanzkapitals. Enorme Geldmengen haben sich bei wenigen Finanzinstituten zusammengeballt, die auch großen Einfluss auf politische Entscheidungen ausüben und ganze Länder in den Ruin treiben können.

Der Ansatz, einen Ausgleich zwischen den Interessen von Kapital und Arbeit zu suchen ist zum Scheitern verurteilt. Nur wenn die Produktionsmittel im Besitz der öffentlichen Hand sind, von den Arbeiter*innen und Angestellten selbst verwaltet werden und die Wirtschaft auf Kooperation statt auf kapitalistischer Konkurrenz aufgebaut ist, ist ein gutes Leben für alle möglich.

Dieser Widerspruch zwischen Kapital und Lohnabhängigen ist aber nicht der einzige im Kapitalismus. Schon vor dem Kapitalismus gab es patriarchale Strukturen. Im Kapitalismus wurde auf diesen aufgebaut. Die für die Gesellschaft notwendigen Tätigkeiten, durch welche keine hohen Profite erwirtschaftet werden konnten, wurden an Frauen delegiert, welche diese unbezahlt oder schlecht bezahlt verrichten mussten. Bis heute haben Männer durchschnittlich die besser bezahlten Jobs und Frauen kümmern sich häufiger um gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten, wie Haushalt und Pflege von Kindern und Angehörigen, die im Kapitalismus gar nicht oder nur gering entlohnt werden. Die ungleiche Verteilung von Arbeit löst sich nicht von selbst auf, sondern muss aktiv herbeigeführt werden.

Weitere Widersprüche existieren im Kapitalismus und dürfen nicht vernachlässigt werden. Einer davon ist jener zwischen der Erhaltung einer nachhaltigen Umwelt und dem Wachstumszwang im Kapitalismus. Wie schon erwähnt wurde müssen die Unternehmen im Kapitalismus immer weiter wachsen und immer mehr produzieren, wollen sie bestehen bleiben und nicht von anderen Unternehmen vom Markt verdrängt werden. Diese erhöhte Produktion, auch wenn sie ökologischer gestaltet wird benötigt immer mehr Ressourcen, welche aber nicht unendlich vorhanden sind. In einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft muss mit Ressourcen schonend umgegangen werden und deren Nutzung allen Menschen auf der Erde gleichermaßen zu Gute kommen.