Deutsch-Matura zum Thema Betteln: Knapp vorbei ist auch daneben.

Überall hörte man* das erleichterte Seufzen. Die Zentralmatura ist ohne Probleme abgelaufen. Wirklich? Kurto Wendt hat sich die Deutschaufgaben einmal genauer angesehen. Sein Befund: Propaganda ist angesagt, gegen die Ärmsten unserer Gesellschaften.

‘Armut und soziale Gerechtigkeit’ hieß das Kapitel, das 20.000 Schüler*innen gestern im Rahmen der Deutschmatura entlang zweier Kommentare von Andreas Unterberger und Katarina Krawagner-Pfeifer zum Thema „Betteln“ erörtern sollten. Zumindest kein Nazitext könnte man* positiv den Unterschied zu der vorjährigen Aufgabe wohlmeinend feststellen.

„Bewerten Sie die gegensätzlichen Standpunkte und schreiben sie einen Leserbrief“ lautete die Aufgabe, dabei sind sich die beiden in den großen Linien einig. Beide gehen fix von Bettel- und Schlepperbanden aus, beide interessieren sich nicht für die Haltungen der Betroffenen. Die Nuance, die sie unterscheidet, ist der Grad des Humanismus. Rechtsextrem gegen rechtsliberal, das ist der Gegensatz, den die sozialdemokratische Unterrichtsministerin den Schüler*innen als Gegensätze präsentiert. Propaganda ist angesagt, gegen die Ärmsten unserer Gesellschaften und das unter dem Kapitel „soziale Gerechtigkeit“. Werden sich Schüler*innen ermutigt fühlen, in ihren fiktiven Leser*innenbriefen gegen die menschenverachtenden Bettelverbote aufzutreten? Eher nicht, wenn sie die zentrale Matura schaffen wollen, auch die nicht die, die fortschrittliche Lehrer*innen haben, die sich dann bei der Beurteilung ans zentrale Schema halten müssen.
Gabriele Heinisch-Hosek und das Bifie werden dazu Stellung nehmen müssen.

Der Text ist von Kurto Wendt, der ihn als Facebook-Kommentar geschrieben hat. Kurto ist damit einverstanden, dass wir diesen hier veröffentlichen. Den Originaltext der Aufgaben gibt es -> hier.

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