Wissentlich blöde Fragen stellen – Hetze à la FPÖ

Man muss sich schon absichtlich blöd stellen, um Vorurteile schüren zu können mit angeblichen Fragen, die man ganz leicht mit ein wenig Recherche oder einem Gespräch mit Betroffenen klären könnte, wenn man nur wollte. Ein Kommentar von Melina Klaus zu „die markigsten Antworten auf die falschen Fragen“.

In Zeitungsinseraten (zB Oberösterreichs Ober-FP-ler Haimbuchner) werden gelb markierte Sichtweisen erschaffen: „Die Bürger stellen zu Recht die Frage, warum man hauptsächlich „junge Männer und keine Familien (gelb unterlegt im Orig. Zitat) sieht, die flüchten.“

Dies ist eine Frage und Formulierung, die auch Pegida bewusst und massiv lanciert hat. Die Antwort ist mit ein bisschen Empathie vielleicht auch ohne Recherche zu erraten. Ja, in bestimmten Phasen von Kriegen oder aus bestimmten Regionen (v.a. mit Seeweg) erreichen mehrheitlich bzw. vorerst überwiegend Männer Europa. (Anders zB während des Bosnien- oder Tschetschenienkrieges. Fluchtwege über Land mit Autos oder oft das letzte Stück zu Fuß wurden von ganzen Familienverbänden auf sich genommen.)

Oftmals ist es finanziell nicht möglich, eine Flucht für mehrere Familienangehörige zu organisieren. Aber vor allem – soweit es irgendwie möglich ist, versuchen Menschen und Familien verständlicher Weise zu verhindern, dass Frauen und Kinder oder ganze Familien zusammen den lebensgefährlichen Fluchtweg aus zB Somalia, Afghanistan, Syrien auf sich nehmen müssen.

Da die EU jede legale Einreise verhindert, bleiben ja nur noch LKW-Böden oder die viel zitierten Boote und Schiffe als Fluchtwege. Wer von unseren strammen männlichen F-lern würde auf diese Reise seine Kinder, Mütter und Frauen mitnehmen?

Die Mehrheit der weit über 2 Millionen Flüchtlinge, die derzeit aus Syrien kommend in der Türkei oder dem Libanon sind, sind jene Frauen und Kinder, die sie hier vermissen. Sobald ein „junger Mann“ in der EU Asyl erhält, hat er in vielen EU-Ländern übrigens die Möglichkeiten seine Familie nachzuholen. (Allerdings nur Ehegatten und minderjährige Kinder, Geschwister und Enkel etc sind hier ausgenommen. Und selbst das ist Fr. Mikl-Leitner zu viel, sie möchte dieses Programm gerne aussetzen.)

Für diese ‚Familienzusammenführungen‘ gibt es Richtlinien, Regierungsprogramme und die Organisierung durch das internationale Rote Kreuz. Das EU-Grenzregime agiert also wissentlich mit den herrschenden Zuständen: Kranken, Alten, Familien wird es unmöglich gemacht in Europa um Asyl anzusuchen. Und auf dem mörderischen Weg dezimiert sich die Zahl der Flüchtlinge, die das auf sich nehmen können, dann praktischer Weise nochmals. Erst die wenigen anerkannten Flüchtlinge nach Abschluss aller Verfahren können darauf hoffen, auch ihre (Kern-)Familien nachholen zu können.

Die Damen und Herrn von der FPÖ müssten sich also nur dafür einsetzen, dass legale Reisewege möglich werden oder weltweit EU-Botschaften für Asylanträge geöffnet werden. Dann sieht der Bürger und die Bürgerin auch wieder mehr Frauen und süße Kinder.

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