Wir lesen der ÖVP die Leviten

Mit einer Aktion vor der Parteizentrale der ÖVP hat Wien Anders gegen die unsoziale Politik der christlich-liberalen Partei der vergangenen Jahrzehnte protestiert – und dabei angekündigt, weiterhin Widerstand zu leisten. Dabei wurden in mehreren szenischen Lesungen der ÖVP „die Leviten“ gelesen. Vortragende waren der Bezirksrat Wolf-Goetz Jurjans aus Margareten und die Schriftstellerin El Awadalla, die für die Allianz Wien Anders kandidiert.

Kritisiert wurden nicht nur das Vorgehen des Finanzministers in der Griechenland-Krise, sondern auch die Vorstöße der Partei gegen Arbeitslose und Arme in Österreich. Die christlich-liberale Partei reagiert dieses Land fast durchgängig. Sie hat sich den Staat buchstäblich unter den Nagel gerissen. Dabei verrät sie die christlichen Werte, verhöhnt die Armen und hölt die Demokratie aus. Im Folgenden einige Ausschnitte aus den Leviten-Lesungen:

Liebe Gemeinde.
Wir haben uns hier und heute versammelt, um der ÖVP die Leviten zu lesen.
Ich darf El Awadalla begrüßen, Autorin, Dialekt-Dichterin, seit den Donnerstagsdemos gegen Schwarz-Blau widerständiges, linkes Urgestein, so manchen noch als Gewinnerin der Millionenshow in Erinnerung und als Nummer zwei von Margareten ANDAS eine „Bezirksrätin in spe“, an die sich der 5te Hieb noch lange erinnern wird. News hat ihr einmal das Gütesiegel „Linkes Superhirn“ aufgedrückt.
Ich bin der „Noch-KPÖ-Bezirksrat“ Wolf Goetz Jurjans und der, so die Margaretner*innen wollen, zukünftige „Margareten-ANDAS-Bezirksrat“. Sozusagen der „MA 5er“.
Bei dieser Gelegenheit schöne Grüße an Ernstl Hinterberger: Wo immer du jetzt bist, hab eine Freude an uns. Unser Bier is net deppert.

Liebe Gemeinde.
Wir wollen die Auferstehung des Widerstandes gemeinsam begehen. Ich ersuche Euch daher,
jeweils nach Abschluss eines Levitenpredigtteils auf mein Zeichen statt des kirchenüblichen
„Wir bitten Dich, erhöre uns“, ein lautstarkes: „ÖVP WIR WEHREN UNS“ in Richtung ÖVP Zentrale hören zu lassen und mit Trillerpfeifen Ratschen usw. zu unterstützen.
Danke.

(Ernst Hinterberger wohnte in Margareten, war u.a. Autor des „Kaisermühlen Blues, schrieb in seinem Stammbeisl „Cafe Industrie“. Der 5-er ist eine Margaretener Figur, die es tatsächlich gab. Diese hatte einen „Poscher “ und imitierte die Straßenbahn Linie 5, daher der 5-er …“Unser Bier is net deppert“ sagt der „Mundl“ in: „Ein echter Wiener geht nicht unter“) .

Ich klage die ÖVP Spitze des Verrats an den christlichen Werten an. Über dem Eingang der Kirche in Margareten steht der Spruch:
„Den Reichen zur Mahnung, den Armen zum Trost.“
Ich klage Euch an, dass ihr, im Gegensatz zu vielen eurer Mitglieder, die christlichen Werte nicht missachtet, sondern sie nahezu verhöhnt.
„Den Reichen zum Vorteil, dem Armen zur Qual” ist euer neuer Glaube.
Eure Marktreligiosität ist tiefstes Mittelalter.
Während viele Menschen Menschen helfen, Ansässige Flüchtlingen helfen, …
Macht ihr zur selben Zeit ebendiese zur Zielscheibe der Verachtung, dämonisiert sie als Gefahr,
hetzt sie gegeneinander. Der jeweils nächste in der sozialen Leiter soll der größte Feind, die größte Bedrohung sein. Ihr Pharisäer und Heuchler habt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter nie verstanden. Wir werden es euch heute noch erklären.

Euer Evangelium ist nicht von Matthäus oder Lukas …
Es ist von Warren Buffet, der sagt: Der zentrale Konflikt unsere Zeit ist der Kampf Reich gegen Arm, meine Klasse hat ihn begonnen, meine Klasse wird ihn gewinnen.

Ich klage die Führung der ÖVP an, die repräsentative, bürgerliche Demokratie auszuhöhlen und zu untergraben.
Der Gfernste mit dem Theologiestudium, der Lowpatka, stellte kürzlich die Frage: „Was soll besser werden, wenn wir wählen gehen?“
Erstaunliche Frage für einen gewählten Abgeordneten, der sich in aller Öffentlichkeit Schritt für Schritt die Mehrheit im Parlament erkauft, um sich eine günstige Absprungbasis für Neuwahlen zu schaffen. Ein scheinbarer Widerspruch?
Varoufakis berichtete: „Schäuble sagt es ja ganz offen: Er will ein strafferes, ein autoritäres Europa. Weniger Sozialstaat. Dank dieser Krise können sie all die Dinge umsetzen – Lohnkürzungen, Rentenkürzungen, Privatisierungen – all die quälenden Dinge, für die ein Volk bei Wahlen nie stimmen würde.“
Es geht also um die Aufrechterhaltung der Illusion, durch Wahlen könnten die Menschen ihr Schicksal mitbestimmen, bei gleichzeitigem Ausbau einer autoritären, marktkonformen Schein-Demokratie. Ein Weg, der über Kurz, Schelling oder Lang in Richtung Faschisierung geht.
Dieser Weg ist brandgefährlich. Das wissen wir aus den Erfahrungen des 20sten Jahrhunderts.
Die Lehren, die ich daraus ziehe, sind:
Wir müssen jetzt alles versuchen, um die Menschen nicht weiter vom Wählen zu vertreiben, sondern sie in den demokratischen Prozess miteinzubeziehen. Die Räte und Rätinnen auf allen Ebenen sind gefordert. In den Bezirken, in den Gemeinden, im Nationalrat, in Brüssel.
Sie müssen sich als verlängerter Arm der Bevölkerung verstehen, und nicht als solche der Parteispitzen und der Lobbys.
Wir müssen für eine Demokratie, eine ANDERE Demokratie kämpfen, sie mit den existenziellen Anliegen der breiten Massen erfüllen, die auch unsere Anliegen sind.
Eine Demokratie von Unten.
Willy Brands Sager: lasst uns mehr Demokratie wagen, ist keine Kann-Bestimmung mehr,
sie ist ein MUSS.
Wir werden den Verrat der ÖVP Spitze an Parlamentarismus und Demokratie nicht akzeptieren.
ÖVP WIR WEHREN UNS .

 

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