Füttern verboten! Eine Chance für den Lainzer Tiergarten

„Füttern verboten“ steht auf einem Schild, gleich hinter dem Eingang des Lainzer Tiergartens beim Lainzer Tor. Leider gilt das nur für die BesucherInnen, denn das Wild wird in mehreren isolierten Gattern offenbar das ganze Jahr über gefüttert und durch diese „Überhege“ gezielt vermehrt. Dabei ist das 2450 Hektar große Areal, welches vom Wiener Forstamt (MA49) bewirtschaftet wird, Teil des Biosphärenparks Wienerwald und Natura 2000 Naturschutzgebiet, wo man Eingriffe in diesem Ausmaß eigentlich nicht erwarten würde.

Es geht dabei wohl um den Spaß einer fragwürdigen Elite am Töten, und es geht ums Geld. In den Wintermonaten wird nämlich ein großer Teil des Naherholungsgebietes unter dem Vorwand der „Winterruhe“ abgesperrt. In dieser Zeit treffen sich finanzkräftige HobbyjägerInnen zu einem regelrechten Massaker. Neben Mufflons, Rehen und Hirschen, werden vor allem Wildschweine in großer Zahl bei Treibjagden (siehe das Video) abgeschossen. Oft sind sie nicht gleich tot, laufen schwer verletzt davon und verenden erst Stunden bis Tage später qualvoll. Auch von verwaisten Frischlingen wird immer wieder berichtet. Aber die Stadt Wien verdient durch den Verkauf der Abschüsse ganz gut. Laut einem Pressebericht werden bis zu 3500 Euro pro Keiler bezahlt. Auch die Netzwerke innerhalb solcher Jagdgesellschaften dürfen nicht unterschätzt werden.

Der zu hohe Wildbestand hinterlässt unübersehbare Spuren, unter anderem an Wald- und Wiesenböden. Durch die massive Fütterung ist er aber selbst herbeigeführt, denn die Verfügbarkeit von Futter hat einen wesentlichen Einfluss auf die begattungsbereite Zeit der weiblichen Wildschweine. Die Jagd ist hier auch nicht die Lösung, sondern eigentlich Teil des Problems. In einer Langzeitstudie konnten WissenschaftlerInnen um Sabrina Servanty zeigen, dass der Wildschweinbestand durch intensive Bejagung kaum reguliert werden kann, sondern im Gegenteil, als Reaktion auf den hohen Jagddruck werden die Bachen früher geschlechtsreif und investieren mehr Energie in die Fortpflanzung.

Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat die Missstände im Lainzer Tiergarten zur Anzeige gebracht. TierschutzaktivistInnen stehen regelmäßig vor dem Lainzer Tor um die Menschen vor Ort zu informieren und auch eine Petition wurde gestartet. Parallel dazu finden intensive Verhandlungen zwischen dem VGT und der Stadt Wien statt.
Wie es anders geht, zeigt der Schweizer Kanton Genf, der seit 40 Jahren jagdfrei ist. Die meisten Wildbestände regulieren sich dort von selbst und die Bevölkerung freut sich über die biologische Vielfalt in diesem Gebiet. Für dennoch notwendige Maßnahmen zur Populationskontrolle werden Methoden angewendet, die mit der herkömmlichen Jagd, wie wir sie kennen, nichts mehr zu tun haben.
Auch der Lainzer Tiergarten könnte so ein Vorzeigemodell werden. Ein Verbot der Fütterung, außer in echten Notzeiten, das Entfernen unnötiger Gatter und ein Ende des Verkaufs von Abschüssen an SonntagsjägerInnen wären schon ein guter Anfang.

Alexandra Benedik

* Fotocredit: VGT, mit freundlicher Genehmigung

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